Ich war nie da

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Ich war nie da

von Lukas Linder
Regie: Lilja Rupprecht

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Premiere: 14. Februar 2013 / 20 Uhr
URAUFFÜHRUNG

Der junge Schweizer Dramatiker Lukas Linder nahm in der Spielzeit 2009/10 am Schauspielhaus-Autorenförderprogramm stück/für/stück teil und gewann für seine in diesem Rahmen entwickelte Arbeit Ich war nie da das von Literar-Mechana gestiftete Hans-Gratzer-Stipendium.

Ich war nie da ist eine Komödie, die in halsbrecherischem Tempo und mit viel Situationskomik den Leidensweg ihrer Protagonistin skizziert: Fandra Fatale, die allen lediglich als Projektionsfläche dient – als “ wäre sie nie da“ – , taumelt durch ihre persönliche Via dolorosa, von Freunden wie Familie eingeengt und domestiziert, einem Erwartungsdruck zwischen konformer Lebensführung und konventionellem Familienidyll ausgesetzt.

Dabei bedient sich Linder des populären Motivs des Theaters-am-Theater, indem er eine Szene, die zum strukturierenden Element dieses Stücks avanciert, zahllose Male wiederholt und variiert, in der die Protagonisten für einen Theaterabend proben, den sie schließlich zur Aufführung bringen. Doppelbödig beschreibt der Autor dabei auch die instabilen Verhältnisse am Theater und schlägt aus den traditionellen Fragen nach der Qualität von (Laien-)Schauspiel, nach Regiekarrieren, Autorenschaft und Genieverdacht und nach der Verwechslung des Bühnengeschehens mit dem richtigen Leben sowie der Flucht aus dem Alltag in die Realität der Theaterarbeit einiges an Witz. Eine kauzige Komödie eines jungen Komödianten.

Am Anfang der Geschichte steht eine wundersame Rettung. Kurz vor dem Sprung ins Nichts wird Fandra Fatale noch einmal ins Leben zurückgeholt. Doch schon bald erweist sich diese Rettung als trügerisch. Die Flucht in bessere Umstände will Fandra nicht gelingen, da die Mittel zu dieser Flucht von eben diesen Menschen bereitgestellt werden, vor denen sie fliehen will. Ein Teufelskreis entsteht, der vielleicht mit einer tiefbürgerlichen Angst zu tun hat: Die Angst vor Veränderung, die Angst davor, sich zu entscheiden, weil jede Veränderung mit Selbstverlust und dem Sturz ins Bodenlose assoziiert wird. Das Bodenlose ist die Hölle. Warum dann also nicht in den Himmel fallen? Doch als Fandra das Fliegen lernt, wird diese wundersame Gabe von ihrem Umfeld mit größter Gleichgültigkeit, ja mit Zynismus wahrgenommen. Fliegen ist pathologisch. Wie alles Wundersame am Menschen pathologisch wäre. Käme heut einer des Weges und würde die Wahrheit Gottes offenbaren, man würde ihm so rasch wie möglich das Zwangsjäckchen anziehen. In diese Richtung gehen auch die Betonschuhe, die Fandra zu tragen verordnet werden, nämlich dass es Normalität nicht gibt, dass sie immer erst erzwungen werden muss. Dass diese Zwingkraft von Sprache ausgeht, habe ich in dem Stück, so scheint es mir heute, bis ins Bescheuerte hinein zu zeigen versucht.
(Lukas Linder)

Photo: © Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gabriel von Berlepsch, Veronika Glatzner

Schauspielhaus Gewinnspiel

Wir verlosen zwei mal zwei gratis Eintrittskarten ins Schauspielhaus für das Stück
Ich war nie da
am 2. März 2013.

… and the winner are:

Clara W. und Barbara S.

Die Karten liegen an der Abendkasse bereit – gute Unterhaltung!

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