Luft aus Stein

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Schauspielhaus Gewinnspiel

Wir verlosen zwei mal zwei gratis Eintrittskarten ins Schauspielhaus für das Stück Luft aus Stein am 5. Februar 2013 um 20:00.

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Das Gewinnspiel hat geendet.

Die glücklichen Gewinner_innen sind:

Judith W. und Herbert W.

Wir gratulieren ganz herzlich! 

 

 

Luft aus Stein

von Anne Habermehl
Regie: Anne Habermehl

Premiere: 17. Jänner 2013 / 20 Uhr
URAUFFÜHRUNG

Zwei Generationen einer Familie stellt Anne Habermehl in ihrem neuen Stück – einem Auftragswerk des Schauspielhaus Wien – gegenüber und entwirft ein Panorama europäischer Geschichte, das von der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis in die unmittelbare Gegenwart reicht. Anne Habermehl hat ein Kammerspiel geschrieben, dessen Protagonisten allesamt Verwundete, Versehrte, Verstummte sind – sei es als Konsequenz der Historie oder individueller Lebensgeschichten. Letztendlich sind sie auch Vertriebene aus dem, was man einmal zärtlich Zuhause oder Heimat nennen durfte und konnte. Doch lässt sich so etwas wie Heimat in einem größeren gesellschaftlichen Kontext heutzutage überhaupt noch beschreiben? Wo und was ist unser Zuhause, und wie sieht unser Leben dort aus? Anne Habermehl diagnostiziert eine omnipräsente Versehrtheit, die bis hinein in unsere Fähigkeit über unsere gemeinsame Geschichte und unsere individuellen Geschichten zu sprechen wuchert; Wunden, die nicht heilen können, weil es an einer heilenden Sprache mangelt. Wie kann man etwas bewältigen – seien es die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs bei der einen Generationen oder ein alles verändernder Unfall bei der anderen – wenn die einzige Möglichkeit, damit fertig zu werden, dessen Negierung und Verschweigen zu sein scheint?

Sich hier vorwärts bewegen, den Fuß aufsetzen, ist wie versehrtes Gebiet abtasten: die Zerstörung hat sich über die Zeit aus der Welt der Dinge, der Architektur, der Körper, ins Innere verlegt, ins Nicht-Sichtbare. Als hätten wir den äußeren Krieg gegen den inneren Krieg eingetauscht, als wären damit die Körper verschwunden, oder als sinnliches Erlebnis nicht mehr zugelassen, und die Spuren sind jetzt nicht außerhalb von, sondern in uns. Ich versuche mit Zärtlichkeit von „meinem“ Land zu sprechen, warum geht es nicht? Komme ich wirklich von dort? Wie kann ich von dort kommen, was ich nicht mag? Oder, von wo komme ich dann? Ich weiß nicht, wie ich diesen Riss, diese Schizophrenie, kleben könnte. Dieses Fehlen von Zärtlichkeit für die eigene Herkunft. Was ist das für ein Erbe, diese Schuld in der eigenen Geschichte? Das Zuhause nur als geografischen, nicht als inneren Ort zulässt? Es ist, als würden wir versteinerte Luft atmen. Und dann diese zweite Welt, die der „Globalisierung“. Die mir, weil ich auf diesem Teil der Erde geboren bin, erlaubt überall hinzureisen, überall zu sein, die Herkunft grundsätzlich negiert. Für beide Welten habe ich keine Sprache zur Verfügung, mit dem Anwachsen der Informationen kommt mir die Fähigkeit abhanden diese Welten zu beschreiben. Als wären Verstummen und Wortschwall ein und dasselbe. Was bleibt, ist eine leere Fläche im Gehirn, ein weißer Fleck. Wie nach einem Unfall. Mein Zuhause ist der Verlust von etwas, was ich nie besessen habe: Identität, Sprache. Wie grabe ich das wieder aus? Für den großen historischen Unfall, für den privaten Unfall, und für die globalisierte Welt? Vielleicht ist der nächste Schritt der in die Reha-Klinik, vielleicht kann der weiße Fleck dort neu beschrieben werden? Die Figuren in diesem Stück sind Vertriebene, vertrieben aus Orten der Zärtlichkeit. Sie sitzen wie Vögel in einem Käfig und schlagen mit den Flügeln.

Foto: © Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Max Mayer, Franziska Hackl

 

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